An die eigenen Grenzen gehen: Sector Enduro in Serbien

Hast du schon mal von den Jungs von Sector Enduro Serbien gehört? Bevor ich mich auf dem Enduro Gelände Langensteinbach mit meinem eigenen Motorrad ausgetobt habe, war ich im April im Tara Gebirge in Serbien und bin mit Sector Enduro an meine Grenzen gegangen.

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Die Planung

Während Deutschland Ende April langsam aus dem Enduro Winterschlaf erwachte und ich erholt vom Gardasee zurückkehrte, wartete das nächste Abenteuer auf mich: Enduro durch die Gebirge Serbiens -- um genauer zu sein, das Tara Gebirge. Wie kam es dazu? Ich habe viel recherchiert und neben den Klassikern Rumänien und Bosnien bin ich auf Serbien gestoßen.

Der Instagram Account von Sector Enduro versprach Action. Quelle: SectorEnduro (Instagram)

Ich war alleine und hatte einen fixen Reisezeitraum, in dem ich eine Tour machen wollte. Zum Glück gab es bei Sector Enduro eine Tour, der ich mich anschließen konnte. Also viel die Entscheidung auf Serbien. Serbien ein Land in dem ich selbst noch nicht war -- geschweige den viel drüber gelesen habe. Mit seinen 7 Millionen Einwohnern und seiner interessanten (wenn auch nicht immer glücklichen) Geschichte bot es alles, was einen Kurztrip ausmacht.

Im nächsten Schritt suchte ich nach Flügen. Die Fluggesellschaft WizzAir bietet bezahlbare Flugtickets. Beispielsweise kostet ein Flug ab Hannover als Direktflug (2 Stunden) in die Hauptstadt Belgrad bzw. zum Nikola-Tesla-Flughafen 150€ (hin und zurück). Ich habe nicht lange gezögert – Flug gebucht und los.

Meine Erfahrung mit WizzAir: Seit meinem letzten Flug nach Minsk (Weißrussland) wusste ich, dass WizzAir gerne und lange Verspätungen hat. Auch in Belgrad wurde ich nicht enttäuscht -- 4 Stunden Verspätung. Somit solltest du dir überlegen, ob du wirklich mit der Bahn zum Flughafen fahren willst. Wenn ja, dann buch definitiv ein flexibles Ticket.

Die Anreise

Es empfiehlt sich immer – unabhängig vom Land -- einen kurzen Blick auf die Seite des auswärtigen Amt zu werfen. Serbien ist offiziell nur Beitrittskandidat in der europäischen Union, dennoch benötigst du für die Einreise mit touristischem Aufenthalt von bis zu 3 Monaten kein Visum. Daraus resultiert, dass du dir unbedingt deine eigene lokale Sim-Karte kaufen solltest und NICHT dein Roaming aktivierst. Ich bin in die Roaming-Falle getappt! Aus dem Flughafen raus gegangen -- keine 30 Minuten im Lande -- und schon habe ich im Jahr 2019 sage und schreibe 12 € pro Megabyte bezahlt (nein kein Zahlendreher). Zum Glück wurde nach 60€ meine Roaming Verbindung gekappt.

Die Einreise stellte kein Problem dar. Für einen Hauptstadt-Flughafen war er angenehm klein und ich konnte meinen Fahrer namens Todor nicht verfehlen. Er sprach sehr gutes Englisch und ich habe mich über die gesamte Reise super mit ihm verstanden. Er hatte hinter seinem BMW Kombi noch eine brandneue KTM 350 auf dem Anhänger. Wir fuhren vom Flughafen aus circa 3 Stunden über kurvige Bergstraßen zu meiner Unterkunft.

Suites Tara Exclussive
Meine Unterkunft: Suites Tara Exclussive

Diese war besser als ich gedacht habe und verfügte neben herzlichen Angestellten auch über eine Klimaanlage und ein sehr bequemes Bett. Am nächsten Tag sollte es direkt losgehen und ich lernte am Abend davor noch meine 3 Mitfahrer und meinen Guide kennen. Die Mitfahrer waren alle drei gebildete russische Staatsangehörige, die gutes Englisch sprachen und in meinem Alter waren. Mein Guide Nebojsa sprach neben Englisch auch noch fließend Russisch. Ich habe aber hier bereits gemerkt, dass Sector Enduro Serbien mich an meine Grenzen bringen wird.

Sector Enduro Serbien & die eigenen Grenzen

Nebosja hatte mich bereits vor der Tour nach meinem Fahrerlevel gefragt und auch dementsprechend eine passende Tour inklusive Teilnehmern rausgesucht. Dass er mich dabei doch leicht überschätzt hat, stellten wir beide sehr schnell fest. Aber erstmal zur Tour: Der Anbieter unterscheidet selber zwischen normalen Enduro Touren und „hard enduro“ Touren. Ich war als Anfänger auf einer „normalen“ Enduro Tour dem sogenannten „Round Trip Adventure“. Das heißt, dass jede Nacht an einem anderen Ort geschlafen wird. Ausrüstung kann, wenn gewünscht und rechtzeitig angekündigt vom Veranstalter gestellt werden. Ich empfehle auf jeder Tour (wenn möglich) immer seine eigene Kleidung mitzubringen. Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen zum vereinbarten Treffpunkt und ich sah diese Schönheit:

Brand new Sector Enduro Bikes
Die Motorräder von Sector Enduro wurden kurz vorher frisch ausgetauscht.

Die angebotenen Motorräder waren aus der aktuellen KTM-Modellreihe und wurden so erweitert, dass sie keine Wünsche offen ließen (inklusive Mousse-Bereifung). Es waren mit mir insgesamt 4 Teilnehmer. Auf diese kamen genau 3 Sector Enduro Teammitglieder. Einer des Enduro-Teams fuhr das Transportfahrzeug mit Ersatzmotorrad und Gepäck von Ort zu Ort. Zwei weitere fuhren permanent mit uns mit (einer vorne einer hinten). Ich war überrascht -- eine 4 zu 3 Quote hatte ich bis jetzt auf keiner Tour. Das gab mir auf der einen Seite viel Sicherheit, aber auf der anderen Seite stellte ich mir mit diesem neuen Wissen auch die Frage: „Was steht mir auf dieser Tour bevor?“.

Neben Nebosja und Todor war das dritte Teammitglied in der Runde Dusan. Ein Profi, der wenig redet und eher zeigt wie es geht (und was er kann). Sein Lieblingsspruch „Enduro ist nichts für Weicheier“ (grob übersetzt, da er das englische Wort für Katze anstelle des Wortes „Weichei“ verwendet hat). Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass ich mir diesen Spruch die nächsten drei Tage noch einige Male anhören werde.

Es ging los! Alle waren Startbereit und ich spürte wie die kindliche Vorfreude in mir ins unermessliche anstieg. Wir fuhren los und nach keinen 15 Minuten waren wir auf Schotterwegen. Keine 30 Minuten später waren wir bereits im Gelände. Der erste Berg war keine Herausforderung, aber aufgrund der Anzahl und Position der Bäume musste ich im Voraus planen, wo es lang ging. Als letzter und zu langsam gestartet, habe ich nicht mal den ersten Berg geschafft. Zweiter Versuch -- erfolglos. Dritter Versuch – endlich oben! Mein kurzer Gedanke – „Jetzt erstmal eine Pause!“ – ha!! Natürlich nicht -- weiter geht’s.

Das schöne am Enduro fahren

Tara Gebirge
Tara Gebirge: Die Aussicht war jede Anstrengung wert

Das Schöne am Enduro fahren (für mich) ist, dass du nicht an die tausend Dinge im Alltag denkst. Du denkst nicht an den Einkauf und dass du noch den nächsten Zahnarzttermin vereinbaren musst und „ach, den Geburtstag der Schwester hast du mal wieder vergessen“. Nein du denkst nur an das Jetzt und Hier. An Motorrad fahren und wie du möglichst clever den nächsten Berg hochkommst, ohne einen zweiten Versuch zu benötigen. Du bist fokussierst und arbeitest an deinen eigenen Grenzen. Es gibt nur das Jetzt und kein zurück, so oft wieder aufstehen, bis man den Berg geschafft hat.

Grob geschätzt besteht 50% meines GoPro-Materials daraus, wie ich fluche, hinfalle, steckenbleibe, oder Dusan mich „motiviert“, bis ich es den Berg hoch geschafft habe (oder alles zusammen in einem Video). Nichtsdestotrotz habe ich jede Sekunde genossen außerdem wusste ich, ich konnte falls erforderlich eine Pause machen. Wenn ich diese brauchte und wenn es zu hart wurde, konnte ich schieben (oder Motor aus und Berg ab). Im schlimmsten Fall übernahm Dusan das Steuer. Im besten Fall entschieden wir uns alle gemeinsam eine Pause zu machen:

Lunch break
Ich hätte hier auch noch länger Pause gemacht.

Ich behaupte alle Teilnehmer wurden mit Sector Enduro an ihre Grenzen geführt, aber nie auf eine lebensgefährliche Art und Weise, sondern mit der Salami Taktik: „größere Ziele durch kleine Schritte oder Forderungen zu erreichen.“ (Quelle: Wikipedia). So überlebten wir Tag für Tag und jeder hat es auf seine eigene Art und Weise genossen und ist an seinen Aufgaben gewachsen. Abends saßen wir alle gemeinsam beim Abendbrot (entweder im Restaurant oder dem Hotel selber) und ließen den Tag Revue passieren, indem wir uns mit unserer letzten Kraft über die Fehler der anderen Teilnehmer lustig machten.

Das Fazit

Die drei Tage vergingen wie im Flug und der Abschied stand vor der Tür. An diesen 3 Tagen konnte ich viel lernen, an die eigenen Grenzen gehen, das lokale Essen und die Natur genießen und neue Freundschaften schließen. Alle Unterkünfte waren super gepflegt und jede Unterkunft verfügte über eine Klimaanlage. Der Trip war ein voller Erfolg und mir war klar: In dieser Ecke gibt es noch einiges zu entdecken (mittlerweile bietet Sector Enduro auch „Big Bike“ Touren an). Mein Wunsch, mit einer Enduro-Maschine das anliegende Montenegro zu erkunden, war geboren. Diesen Wunsch habe ich mir Anfang September erfüllt (Bericht folgt).

Wenn du mehr über mich wissen willst dann schau hier vorbei. Warst du schon in Serbien? Welches ist dein favorisiertes Land für eine Enduro Tour? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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